Filmkritik - Planet der Affen: Revolution

Dawn of the Planet of the Apes
USA 2014 (Science Fiction, Abenteuer, Action)
Regie: Matt Reeves
Darsteller: Jason Clarke, Andy Serkis, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer, Toby Kebbell, Kirk Acevedo, Nick Thurston u.a.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionEines vorweg an Alle die zu jung sind oder ein schlechtes Gedächtnis haben: Die Erstverfilmung vom Planet der Affen aus dem Jahr 1968, ich meine die mit Charlton Heston, ist zu Recht ein Klassiker – trotz Charlton Heston. Damals waren die Effekte, die heute in jedem Werbespot überboten werden, atemberaubend und das überraschende Ende ein echter Schocker. Das Bild von der halb aus dem Boden ragenden „Miss Liberty“ hat sich, gepaart, mit der daraus abzuleitenden bitteren Erkenntnis, dass wir die Sklaven auf dem Affen-Planeten sind, als stilprägende Ikone ins kulturelle Kollektivgedächtnis eingebrannt. War es doch zugleich Tabubruch als auch Mahnung an eine oder von einer Generation im Umbruch.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionDie drei Fortsetzungen, die in den nächsten vier Jahren folgten, waren mehr schlechte als rechte Versuche, die Schürfrechte an der Goldgrube auszubeuten. Mäßig unterhaltsam und cineastisch nicht der Erwähnung wert. Genauso wie der Versuch von Regie-Exzentriker Tim Burton der Kino-Legende vor 13 Jahren neues Leben einzuhauchen. Damals waren sich Kritiker und Publikum ausnahmsweise mal einig: Das ging richtig in die Hose. Und selbst Burton gab mehr als einmal zu Protokoll (u.a. in einem Gespräch mit mir), dass dies der dunkelste Punkt seiner Biografie sei und er sich in stillen Momenten wünscht, er hätte es besser gelassen. Und bis auf die Musik (von Danny Elfman) würde man auch wirklich nichts vermissen.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionAls dann vor drei Jahren mit Planet der Affen: Prevolution die Legende noch mal an den Start ging, waren die Erwartungen nicht gerade hoch, dass hier was Großes entstehen könnte. Im Gegenteil, es wurde bereits im Vorfeld von Affentheater geunkt. Aber alle schlimmen Vorahnungen, Zweifel und schlechten Erfahrungen platzen wie Seifenblasen im Monsun schon nach den ersten Film-Minuten. Denn spätestens nach dem Vorspann war klar, dass hier nicht nur erstklassige Unterhaltung auf technischen höchstem Niveau, sondern mehr als nur Effekt-Kino geboten würde, nämlich eine komplexe Story mit durchaus kritischen Ansätzen. Die Zeit war also reif, dem Publikum mehr als nur sinnlos zelebrierte cineastischen Errungenschaften wie Motion-Capture, CGI und 3D-Effekte inhaltsleer um die Augen und Ohren zu ballern, sondern in den Dienst einer Geschichte zu stellen, die es wert ist erzählt zu werden.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionAnscheinend hatte man das große allegorische Potential der Story wiederentdeckt, aber diesmal den Kardinalfehler vermieden, ein Remake zu einem Film zu machen, der kein Remake braucht - sondern einen komplett neuen Handlungsfaden gesponnen. Es wurde und wird also eine eigene Geschichte erzählt, die mit nahezu literarischer Qualität dem Zuschauer den gesellschaftskritischen Spiegel sehr unterhaltsam direkt unter die Nase hielt und auch diesmal wieder hält. Denn mit „Revolution“ wird die Handlung von „Prevolution“ mit einem Zeitsprung von zehn Jahren passgenau fortgesetzt. Die Viruspandemie, mit der Teil 1 endete, hat die Götterdämmerung der Menschheit eingeleitet und ein Großteil von ihnen ausgelöscht. Der kärgliche Rest versucht sich in apokalyptischen Stadtruinen irgendwie am Leben zu halten, während Affen-Anführer Caesar mit den Seinen in den Wäldern rund um das zerstörte San Francisco ein wirkliches Zuhause gefunden hat.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionSoweit, so schlecht. Als aber eine menschliche Expedition auf der Suche nach Energiequellen durch das Umland von San Francisco streift, kommt es eher zufällig zur ersten Begegnung nach Jahren, die beiden Seiten die Nähe zu einander bewusst macht. Was natürlich nicht ohne Folgen bleibt. Zwar erkennt Expeditionsleiter Malcolm, dass die Affen nicht weniger als die Menschen nur in Frieden leben und ihre Familien in Sicherheit wissen wollen. Doch als Malcolm wieder zuhause ist, muss er feststellen, dass seine Artgenossen zu ängstlich und zu misstrauisch sind, um eine friedliche Koexistenz zu akzeptieren. Denn immer noch glauben nicht wenige, dass die Affen Schuld an dem Virus wären, der in Wahrheit aber aus den Laboren menschlicher Wissenschaftler stammt. Allen voran der Anführer der Überlebendenkolonie, der von Rachegedanken zerfressene Dreyfus (Gary Oldman einmal mehr wieder ziemlich genial), sieht in den Affen eine tödliche Bedrohung, die es zu vernichten gilt. Dennoch gelingt es Malcolm, ein Friedensabkommen mit Caesar auszuhandeln. Doch leider ist das nicht von Dauer, denn auf beiden Seiten gibt es tiefes Misstrauen und etliche, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und weil es sowohl Affen als auch Menschen nicht leicht fällt, Andersgläubige zu akzeptieren, schlägt nun auf beiden Seiten die Stunde der Intriganten. Und so kommt es zum Kampf um die Vorherrschaft auf der Erde und nicht zuletzt um die moralische.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionWie gesagt; Regisseur Matt Reeves nimmt mit Planet der Affen: Revolution den Handlungsstrang des Vorgängers da auf, wo dieser endete und erzählt nun stringent die Story weiter. Und das ohne große Durchhänger was den Erzählfluss angeht. – Was bei einer Laufzeit von 127 Minuten schon bemerkenswert ist. Noch bemerkenswerter ist aber der Umstand, dass man sich nicht alleine auf die beeindruckenden Bilder, den hohen technischen Standard und dem daraus erwachsenen Unterhaltungswert verlässt. Ein Beispiel dafür sind die äffischen Charaktere. Die sind zwar durch perfekte Computer-Grafik und Motion-Capture realistisch wie nie zuvor. Aber das alleine wäre zu wenig gewesen. Dank facettenreicher Charakterisierung und ebensolcher Darstellung (u.a. mal wieder durch den großartigen Andy Serkis) erleben wir, was im herkömmlichen Film nicht möglich gewesen wäre: die perfekte Illusion. Und zwar so perfekt, dass man schon fast bedauert, dass diese Perfektion, die Leistung, die dahinter steckt unsichtbar macht.

Szenenbild aus dem Film Planet der Affen: RevolutionInteressant an der Story ist aber auch die Dualität der Ereignisse. Denn sowohl bei Primaten mit, als auch denen ohne Haare auf dem Rücken herrscht keine Einigkeit darüber, wie mit „Den Anderen“ umzugehen ist. Auf beiden Seiten gibt es sowohl Tauben als auch Falken. Die daraus entstehende Polarisierung (weniger nachsichtige Zeitgenossen reden in solchen Fällen gerne von Schwarz-Weiß-Malerei) wird dadurch aufgebrochen, dass die Gut-Böse-Grenze nicht zwischen den Rassen, sondern durch sie hindurch verläuft. Hinzu kommt, dass diese narrative Symmetrie zwar eine simple Struktur aufweist, so wie bei einem Schachbrett, aber dadurch die Basis für ein hoch komplexes Spiel liefert (ebenfalls wie bei einem Schachbrett), dass sich den Luxus einer Aussage in Form einer sehr treffenden Gesellschaftssatire leistet. Davon mal abgesehen hat sich das Spiegelmotiv als klassisches Stilmittel seit der Antike bewährt. So auch hier.

Mit einem Einspielergebnis von knapp 500 Millionen Dollar hatte der Vorgänger nicht nur bei den Kritikern großen Anklang gefunden, sondern auch beim Publikum. Was die (zwar eingeplante, aber wie oft werden solche Pläne auch verworfen?) Fortsetzung unausweichlich machte. Und auf den ebenfalls bereits eingeplanten dritten Teil darf man sich nach dieser Vorstellung einfach nur freuen.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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