Filmkritik - Fifty Shades of Grey

USA 2015 (Erotik/Drama)
Regie: Sam Taylor-Johnson
Darsteller: Jennifer Ehle, Jamie Dornan, Dakota Johnson, Eloise Mumford, Victor Rasuk, Luke Grimes, Marcia Gay Harden, Rita Ora, Max Martini, Callum Keith Rennie u.a.

Szenenbild aus dem Film Fifty Shades of GreyDer Roman ist – zumindest was die Verkaufszahlen angeht - ein globaler Bestseller. Schließlich wurden von der „Fifthy Shades of Grey“-Trilogie über 90 Millionen Exemplare in 52 Sprachen verkauft. Im Grunde genommen ist es mal wieder die uralte Geschichte von einem kleinen schüchternen Küken – in diesem Fall ist es die kreuzbrave Studentin Anastasia – die durch das Schicksal auf einen Mann trifft, der alles hat. Mehr Geld als er essen kann, Macht über Menschen und Maschinen und ein passables Aussehen, also keine gröberen Entstellungen. Also der Traumprinz, wie selbst gebacken. Wenn da nicht dieser winzige Makel wäre. Aber wie alle jungen Frauen träumt auch Anastasia davon, ihren Traumprinzen von seinem Fluch zu befreien – oder ihn wenigstens mit ihm zu teilen. Und irgendwann zeigt er ihr auch, womit er sich in seiner Freizeit beschäftigt. Es ist so eine Art Hobbyraum, in dem er all die Sachen hat, die er gekauft hat, als sie sich das letzte Mal im Baumarkt getroffen haben. Als sich die Studentin, die dort einen Aushilfsjob macht, und der Milliardär beim Shoppen zufällig über den Weg liefen. Überhaupt werden die Baumärkte neben den Kinos die zweite Branche sein, die hier den großen Reibach macht. Denn in einem Punkt sind sie sich sehr ähnlich: Sex Sells!

Szenenbild aus dem Film Fifty Shades of GreyIm Großen und Ganzen hat man es aber geschafft, die Essenz des Buches im Film einzufangen und dabei die größten Mängel wegzulassen. Wobei auch der Sado-Maso-Aspekt im Film etwas entschärft wurde. So sieht man im Spielzimmer von SM-Liebhaber Christian Grey mal eine Peitsche oder ein Paar Handschellen rumliegen, aber nichts, was selbst zart besaitet Zuschauer schockieren könnte. Ich sag nur: Freigabe ab 16! Wenn es um die erotische Komponente geht, da hätte das klassische Theater härteren Stoff im Standard-Repertoire. Nur nicht so hochglänzend und mit so viel Schnick-Schnack. Für jemanden, der sich ernsthaft mit Sado-Masochismus beschäftigt, dürfte „Fifty Shades of Grey“ wie Bodenturnen auf einen Kunstflug-Akrobaten wirken – wenig eindrucksvoll. Ähnlich wie guter Sex entsteht gutes Kino im Kopf. Die Fantasie wird angeregt und viel mehr als beim banalen Darstellen gehen Körper und Geist eine Symbiose ein, auf das sich im Bauch oder dem Unterhaltungszentrum knapp darunter ein Kribbeln einstellt.

Szenenbild aus dem Film Fifty Shades of GreyFür das Knistern auf der Hirnrinde hingegen sorgen die im Lieferumfang mehr oder weniger vorhandenen intellektuellen Perlen. Nun war auch schon das Buch weniger wegen durch seine handwerklichen Qualitäten zu weltweiten Ruhm gekommen. Und ich als klassischer und in diesem speziellen Fall ganz bewusster Nichtleser kann nur vermuten, dass der "Reiz des Verbotenen" hier seine Wirkung entfaltet hat. Denn selbst in unserer übersexten Gesellschaft lässt sich mit ein bisschen Kuschel-SM noch der Ruch des Verdorbenen, der animalische Instinkte verströmen. Ähnlich wie mit einem leicht überlagerten Harzer. Nimmt man allein die Anzahl an Karten, die die Kinos schon vor Filmstart verkaufen konnten als Indikator für kommende Erfolge, dürfte klar sein, dass diese Welle auch noch ein zweites Mal zu reiten sein wird. Und die Leinwand-Fortsetzungen dürften auch bereits beschlossene Sache sein. Dass diese erotische Offenbarung eine Altersfreigabe ab 16 Jahre hat, sollte aber genügen, um zu erahnen, dass hier keine echten Grenzen überschritten werden.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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