Filmkritik - Baymax – Riesiges Robowabohu 3D

(OT: Big Hero 6)
USA (Trickfilm, Komödie)

Regie: Chris Williams, Don Hall
Sprecher: Bastian Pastewka, Andreas Bourani, u.a.

Szenenbild aus dem Film Baymax - Riesiges RobowabohuBaymax – Riesiges Robowabohu erzählt die Geschichte eines Jungen namens Hiro, der wie viele in seinem Alter absolut technikbegeistert ist. Doch leider lebt er seine Leidenschaft nicht auf die vernünftigste Art aus, sondern nimmt mit selbstgebastelten Robotern an illegalen Bot-Kämpfen teil. Mit viel Engagement schafft es sein älterer Bruder sein Interesse in mehr kreative Bahnen zu lenken. Doch leider kommt er kurz danach bei einem Brand ums Leben und hinterlässt Hiro seine neuste Erfindung: Baymax, einen knuffigen Erste-Hilfe-Roboter mit dem Temperament eines Gänseblümchens. Und weil der nicht nur wie ein Marshmallow aussieht, sondern auch mindestens genauso süß und nicht weniger tollpatschig ist, wird er in der hiesigen Version von Bastian Pastewka gesprochen, der – wer weiß warum – sich in den netten Klops voll und ganz rein finden kann.

Szenenbild aus dem Film Baymax - Riesiges RobowabohuAb jetzt steht Baymax Hiro mit Rat und Tat zur Seite – immer und überall, ob der will oder nicht. Als sich in der Stadt Mysteriöses anbahnt, werden die beiden zu einem sehr ungleichen, aber auch unzertrennlichen Team. Aber ihre Herausforderung besteht nicht nur darin, einen fiesen Superschurken zur Strecke zu bringen, sondern auch zu lernen, das Rationalität nur eine Seite der Lebensmünze ist. Dabei ist der Name der Stadt, in der sich all das ereignet, San Fransokyo, nicht nur sprachlich ein Hybrid aus San Francisco und Tokyo, sondern auch in Bezug auf ihre Kultur und den Alltag. Und damit eine auf die Zukunft verweisende, aber in der Gegenwart verhaftete Schnittmenge der bekannten Metropolen. Diesem Integration-Prinzip bleibt der Film auch in vielen anderen Punkten treu. Sei es bei der grafischen Gestaltung, der Zusammensetzung des Helden-Schurken-Ensembles oder den technischen Innovationen, die in diesem Film eine nicht unerhebliche inhaltliche Rolle spielen. Aber all das dient nicht nur der besseren globalen Vermarktung von Baymax, sondern transportiert auch einen wunderbar humanen Spirit.

Szenenbild aus dem Film Baymax - Riesiges RobowabohuAlles, was dieser Film sein kann, ist er auch. Und das mit einer Souveränität und Leichtigkeit, die beindruckt. Was aber vielleicht am meisten beeindruckt, ist dass alle kreativen Abteilungen, von der Gestaltung der Figuren, ihrer Animation, die Dialoge, jede Kamerabewegung, das Licht u.s.w., u.s.w. die gleiche Sprache sprechen. Alles wirkt wie aus einem Guss. Mehr als eine technische Spitzenleistung. Und auch die Charaktere sind bis zur letzten Nebenfigur detailliert, authentisch und glaubwürdig. Um gleichwertige Darsteller aus Fleisch und Blut zu finden, müsste man lange suchen. Wenn man bedenkt, wie viele kreative Köpfe und wie viel konzeptionelle Vorbereitung hinter jeder Figur stehen, muss es einen mehr als verblüffen wie wunderbar echt, interessant und witzig sich jeder Charakter entfaltet.

Szenenbild aus dem Film Baymax - Riesiges RobowabohuDen stilisierten Figuren, die alle ein bisschen an Comic-Charaktere erinnern, steht ein hyper-präzise illustriertes Umfeld gegenüber, dass man nicht mehr von Fotografien unterscheiden kann. Außer darin, dass sie besser aussehen als in echt. Eine Detailfülle, wie man sie bisher nur bei Animationsfilmen von Pixar kannte. Auch die Story deckt, was die Emotionen angeht, das komplette Spektrum der menschlichen Existenz ab. Von lustig, über spannend und rätselhaft bis zu Tränen rührend. Man muss Disney bescheinigen, dass sie mit Baymax – Riesiges Robowabohu erstmals zu „Pixar“ aufgeschlossen haben. Denn der Film ist nicht nur technisch „state of the art“, sondern auch was den Humor angeht und nicht zuletzt auch in Bezug auf den Mut, die jahrzehntealten Disney-Doktrinen mal links liegen zu lassen und sich was zu trauen. Und deshalb ist auch die Geschichte alles andere als eindimensional. Außerdem hat sie eine gute Message - auch ohne rumwedelnden Zeigefinger. Ergänzt durch eine liebevolle Jonglage mit Genrezitaten über Superhelden - bis hin zur den The Incredibles.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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