DVD Tipp - Grand Budapest Hotel

USA, GB, Deutschland 2013 (Komödie)
Regie: Wes Anderson
Darsteller: Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Tony Revolori, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Owen Wilson u.a.
Veröffentlichung: DVD/Blu-ray 05.09.14 (Twentieth Century Fox)

Szenenbild aus dem Film Grand Budapest HotelWie soll man beginnen diesen Film zu beschreiben? Ein typischer Wes Anderson? Ja, definitiv. Hohes Staraufgebot? Ja ebenfalls und dies in der Summer sogar noch mannigfaltiger (die männlichen Rollen haben deutlich ein Übergewicht) als je zuvor. Verrückte, geradezu unglaubliche Story? Auch hier lässt sich nur konstatieren, dass das was den Zuschauer erwartet an Skurrilität und Einfallsreichtum kaum zu überbieten ist. Anderson ist ein wahrer Magier der Filmerzählung. Geradlinig klassischen Erzählmustern zu folgen, das ist einfach nicht sein Ding. Und das macht seine Filme auch so herrlich erfrischend anders. Tauchen sie ein in eine Welt der Absurditäten und der visuellen Ausdruckskraft eines lebendig gewordenen Traumes, würde es am ehesten beschreiben und dennoch nicht in aller Gänze erfassen. Und das macht seine Werke absolut einzigartig. Dies ist eine Film- und Geschichtenwelt, die man zwar ebenso hassen kann, wie man sie liebt, sofern man sich davon angesprochen fühlt, aber es ist eben ein Welt die einzigartig ist. Und das allein schon ist eine Kunstform, die man seinesgleichen im sonstigen Einerlei der Masse kaum ein zweites Mal findet.

Szenenbild aus dem Film Grand Budapest HotelWie nun lässt sich aber beschreiben, was den Zuschauer erwartet? Im Grunde ist es eine Krimigeschichte. Aber auch ein historisches Zeitdokument, das sich so in etwa zugetragen haben könnte (na ja nicht wirklich so), und daher in der Form doch eher ein Produkt einer total, total verrückten Parallelwelt ist. Wiederum auch ist Grand Budapest Hotel eine Tragödie, die ihresgleichen sucht, sofern man den Charakteren und deren individuellen Befindlichkeiten vertrauen und Mitgefühl schenkt. Und nicht zu Letzt ist es eine Komödie die aberwitziger kaum sein könnte. Und deshalb ist der Film vor allem ein Heidenspaß voller Irrungen und Wirrungen, der in Form (visueller Einfallsreichtum) und Darstellung (ein jeder Darsteller gibt hier zum Besten was hohe Schauspielkunst im eigentlichen bedeutet) eben kaum zu übertreffen ist, oder für Kunstbanausen ein ewiges Rätsel bleibt.

Mathias Bornemann



Grand Budapest HotelEs gibt Regisseure, die schaffen Bilder und Szenen für die Ewigkeit, die sich ins kollektive Langzeitgedächtnis einbrennen. Und es gibt Regisseure, so wie Wes Anderson, die diesen Effekt mit ganzen Filmen schaffen. Und wer auch nur einen der folgenden Filme gesehen hat - die Royal Tennenbaums, Moonrise Kingdom, Darjeeling Limited, Die Tiefseetaucher, Der fantastische Mr. Fox oder Rushmore – ja der (oder die) weiß, was mit dem Wes-Anderson-Stil gemeint ist. Nämliche diese unnachahmlich schwerelose Mischung aus Komödie und Tragödie, in denen die skurrilen Geschichten und ihre nicht minder skurrilen Helden die Grenzen zwischen Lachen und Bangen verschwimmen lassen. Dazu kommt ein ausgeprägter Gestaltungswille in Kombination mit einem besonderen ästhetischen Empfinden, das die Filme wie ein lebendig gewordenes Puppentheater im Retrostyle aussehen lässt – kurz nachdem dort ein Altkleider-Container explodiert ist. Aber alles ist bis ins letzte Detail exakt durchkomponiert und es wimmelt nur so vor kulturellen Referenzen und Zitaten. Also ein hoher Feiertag für alle Cineasten.

Grand Budapest HotelAll das trifft auch auf GRAND BUDAPEST HOTEL zu, Wes Andersons jüngstem Werk. In dieser rosaroten Luxusherberge in einem nostalgisch-verkitschten Deutschland der frühen 30 Jahre werden der Concierge Gustave und sein glupschäugiger Hotelpage Zero sehr ungefragt zum Mittelpunkt einer irrwitzigen Gaunergroteske, in deren weiteren Verlauf auch eine greise Gräfin und ein humorloser Killer entscheidende Rollen spielen.

Grand Budapest HotelEin weiteres Standard-Element in allen Wes Anderson-Filme ist die enorme Stardichte. Will sagen, Anderson versammelt immer wieder sowohl quantitativ als auch qualitativ ein kaum zu toppendes Star-Ensemble vor der Kamera. Alleine deren Namen sollte man sich mal auf der Zunge vergehen lassen. Ich sag nur: Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Hans-Martin Stier, Tilda Swinton, Tom Wilkinson und Owen Wilson. Aus Zeitgründen brech ich hier mal ab. Und das sind alles keine kleinen Gastauftritte, sondern vollwertige, markante Rollen, denen die genannten Schauspiel-Großkaliber ihren Stempel mit spürbarer Freude aufgedrückt haben.

Grand Budapest HotelUnd mittendrin als Spinne im Netz, als Strippenzieher, ist Wes Anderson. Er ist der Peter Pan des Kinos, der nicht nur in seinen Filmen in seiner ganz eigenen Welt lebt. Es ist eine Welt in die er sein Publikum entführt, diesmal ins GRAND BUDAPEST HOTEL, eine Welt, zu der wir ohne ihn keinen Zutritt hätten.

Peter Dickmeyer (MOV!E D!CK)

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