DVD Tipp - Wer - Das Biest in dir

(OT: Wer)
USA 2013 (Horror)
Regie: William Brent Bell
Mit: A.J. Cook, Brian Scott O'Connor, Sebastian Roché, Vik Sahay, Stephanie Lemelin, Oaklee Pendergast, Simon Quarterman, Brian Johnson, Camelia Maxim u.a.
Veröffentlichung: DVD/BD 14.10.2014 (Ascot Elite)

Szenenbild aus dem Film Wer – Das Biest in dirWer! Wer? Einfach nur Wer! Auf der Suche nach Horror-Perlen, im schlammigen Untergrund des Meeres direkt auf DVD oder BD gepressten Grusel-produktionen, bin ich ausgerechnet im ansonsten eher unspektakulären Bereich des „Found Footage Films“, auf ein solches Kleinod gestoßen. Und das auch noch bei einer Regiearbeit von William Brent Bell, der sich mit dem einschläfernden Exorzist-Abklatsch „Devil Inside“ und dem unsäglichen „Stay Alive“, bislang wirklich nicht mit Ruhm bekleckert hat. In „Wer – Das Biest in dir“ bedient sich Bell zwar wieder der Wackelkamera und körnigen Bildern diverser Überwachungskameras, um der Geschichte einen dokumentarischen Charakter zu vermitteln, mischt diese aber munter mit normalen Filmaufnahmen. Damit entgeht er mehr als einmal der unliebsamen Frage, wer denn bitte schön gefilmt hat, während Menschen optisch eindrucksvoll und durchaus blutig ihrer Körperteile entledigt werden. Aber der Reihe nach.

Szenenbild aus dem Film Wer – Das Biest in dirZur Story: Eine amerikanische Familie wird in einem Waldgebiet nahe der französischen Stadt Lyon (gedreht wurde aber preisbewusst im rumänischen Bukarest) massakriert und als Täter recht schnell der offenbar geistig zurück gebliebene Talan Gwynek identifiziert. Dieser lebt zurückgezogen mit seiner Mutter auf einem ländlichen Grundstück und leidet unter einem seltenen Gendefekt, der ihm einen beeindruckendem Haarwuchs und einen deformierten Körper beschert. Kann nur der schrullige Einsiedler gewesen sein. Fall erledigt. Na, so schnell geht es aber dann doch nicht, denn der komfortable Zufall will es, dass die junge, hübsche und natürlich talentierte amerikanische Anwältin Kate Moore („Criminal Minds’“ A. J. Cook) zugegen ist und an die Unschuld des armen Talan glaubt. Gemeinsam mit ihrem Assistenten Eric Sarin (Lester Patel aus „Chuck“) und dem mysteriösen Experten für Wildtiere, Gavin Flemyng (Simon Quarterman, der bereits in „Devil Inside“ dabei war), nimmt sie die Verteidigung ihres Mandanten auf. Und tatsächlich scheint der Fall gar nicht so klar zu sein, wie es die Polizei unter dem leitenden Ermittler Klaus Pistor (Sebastian Roché, TV-Fans werden ihn vielleicht als Balthazar aus „Supernatural“ kennen) so eilig als Erfolgsmeldung rausposaunt.

Szenenbild aus dem Film Wer – Das Biest in dirEin bisschen Geduld braucht man schon, bis die ersten computergenerierten Blutspritzer und ausgerissenen Unterkiefer ins Spiel kommen. Die erste Hälfte der knapp 90 Minuten Gesamtlaufzeit gibt es akribische Tatort-Ermittlungen, pseudo-medizinisches Blabla und eine schicke Verschwörungstheorie, um Landraub und Atomabfälle zu verdauen. Klingt ein bisschen viel? Ist es auch. Aber der Film gibt sich redliche Mühe, erst einmal eine halbwegs erträgliche wissenschaftliche Erklärung für das „Biest in dir“ zu finden. Glücklicherweise werden die Bemühungen dann ad akta gelegt und der dann doch nicht so unschuldige Talan darf endlich zeigen, was in ihm steckt. Nämlich ein Werwolf. Gelungen: Hier wird nicht durch neblige Sumpfgebiete und dichte Wälder gerannt, sondern das haarige Biest legt sich im Häuserkampf mit schwer bewaffneten Spezialeinheiten der Polizei an. Und der finale dritte Akt packt dann von abgetrennten Köpfen bis zum Werwolf Zweikampf alles aus, was das begrenzte Budget herzugeben bereit war. Und das ist tadellos in Szene gesetzt. Eigentlich sollte man meinen, nach den Softie-Wölfen von Team Jacob aus „Twilight“ wäre das Thema Werwolf abgehakt. Aber „Wer“ macht seine Sache verdammt gut.

Ulrich Wimmeroth

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