DVD Tipp - Coherence

Blu-ray Cover zum Film CoherenceUSA / GB 2013 (Science Fiction)
Regie: James Ward Byrkit
Darsteller: Emily Foxler, Nicholas Brendon, Hugo Armstrong, Elizabeth Gracen, Maury Sterling, Lauren Maher, Lorene Scafaria, Alex Manugian u.a.
Veröffentlichung: DVD / Blu-ray 27. März 2015 (Bildstörung / Alive AG)
Sprache: Deutsch (DTS HD), Englisch (DTS HD)
Spieldauer: 88 Minuten

Szenenbild aus dem Film CoherenceEs hätte ein ganz normaler Abend werden können. Doch was ist schon normal? Vor allem, wenn ein Komet in sichtbarer Nähe die Erde passiert und offenbar Einfluss auf die Realität hat. Acht Freunde treffen sich zu einem gemeinsamen Abendessen, und natürlich dreht sich in den Gesprächen alles um diesen Superkometen, der alle 100 Jahre an der Erde vorbeirauscht, diesmal indes ist er besonders nah. So nah, dass er sogar die Handys ausschaltet. Als die Displays der mobilen Telefone aber bizarrer Weise auch noch zerbrechen und der Strom ausfällt, wird es der Gesellschaft der acht Freunde aber dann doch unheimlich. Wie gut, dass der Hausherr über einen Generator verfügt. Nur ein weiteres Haus in der Nachbarschaft scheint ebenfalls über eine eigene Stromversorgung zu verfügen. Als sich zwei aus der Gruppe aufmachen, um dort um Hilfe zu suchen, machen sie eine zutiefst bestürzende Entdeckung ...

Szenenbild aus dem Film CoherenceRegisseur James Ward Byrkit, der auch das Drehbuch zu dem geradezu in der Manier eines Kammerspiels gedrehten Films geschrieben hat, schafft Spannung durch Suggestion. Es ist einer der wenigen Science-Fiction-Filme, die völlig ohne Special Effects auskommen. Es ist die Kraft des Wortes und der Darstellung, die diesen Film besonders macht. Der Zuschauer weiß zunächst nicht, welche Richtung die Erzählung nehmen wird. Wird’s eine Horror-Geschichte? Ein Thriller? Die Erzählung und die Charaktere entwickeln sich ruhig, die Dialoge stehen im Vordergrund, man ahnt natürlich, dass etwas Furchtbares geschehen wird. Doch was? Dass am Ende die Welt aus ihren Fugen tritt, dass Realität plötzlich zu einer multidimensionalen, verstrickten Angelegenheit wird, in der es viel mehr als nur eine Wahrheit gibt, ist nicht nur verwirrend, sondern tatsächlich Grundlage von wissenschaftlichen Theorien. Für Em, die einzige unter den Protagonisten, die noch einigermaßen den Überblick behält und dem Zuschauer eine Konstante in einem immer unübersehbaren und unterhaltsamen Chaos gibt, heißt es irgendwann: Für welche Realität entscheidest du dich?

Szenenbild aus dem Film CoherenceGrundlage für die Geschichte sind die Theorien von Hugh Everett aus den 1950er Jahren, die er aufgrund der Erkenntnisse aus der bizarren Welt der Quantenphysik aufgestellt hatte. Die Physiker David Deutsch und Briane Greene haben dessen sogenannte Viele-Welten-Theorie fortentwickelt. Danach ist unser Universum nur eines von unendlich vielen, die parallel existieren. Über wissenschaftliche Konzepte zu Paralleluniversen hat Greene 2011 ein lesenswertes Buch ("Die verborgene Wirklichkeit") geschrieben. Das verstörendste an der Quantenmechanik ist ja, dass es in dieser atomaren  Welt kein Entweder-Oder gibt oder, wie Greene es sagt: Es gibt keine verpassten Chancen, keine nicht eingeschlagenen Wege. „Aber jeder derartige Weg – jede Wirklichkeit – ist vor allen anderen verborgen.“ Oder wie es Deutsch in einem SPIEGEL-Interview erklärte: „Die Realität ist ein viel größeres Ding, und das nennen wir Multiversum. Es hat Regionen, die sich fast autonom von den anderen Regionen verhalten. Und das sind eben die verschiedenen Universen.“ Wie James Ward Byrkit nun diese Theorien für seinen Film umsetzt, ist ein großartiges Beispiel für das Science-Fiction-Genre.

Cem Akalin

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